UOKG e.V.
10/07/2026
Ende Februar 2026 ist unser langjähriger Finanz- und Verwaltungsmanager Theo Mittrup im Alter von 60 Jahren in den Vorruhestand getreten. Im Namen der Geschäftsstelle und der Beratungsstelle der UOKG, des Vorstands sowie unseres Bundesvorsitzenden Dieter Dombrowski möchten wir heute herzlich Danke sagen – für die gemeinsame Zeit, die gute Zusammenarbeit und sein verlässliches Engagement.
Schon seit frühesten Zeiten des Vereins gehörte Theo Mittrup fest zum Team der UOKG. Bis 2011 als Mitglied des Vorstands tätig, gestaltete er daraufhin als Finanz- und Verwaltungsmanager das organisatorische Fundament unserer Geschäftsstelle in der Berliner Ruschestraße mit. Er war ein geschätzter und loyaler Kollege, der im Hintergrund wesentlich dazu beigetragen hat, den täglichen Betrieb am Laufen zu halten und unsere gemeinsame Arbeit gut strukturiert voranzubringen.
Seine Wurzeln in der Aufarbeitungslandschaft reichen weit zurück. Schon in den frühen 2000er Jahren war er im Landesverband Berlin-Brandenburg des Bunds der Stalinistisch Verfolgten (BSV) tätig. Dort setzte er sich unermüdlich für diejenigen ein, die unter stalinistischer und politischer Willkür in der SBZ und DDR litten. Im Team der UOKG war es ihm immer ein wichtiges Anliegen, gemeinsam darauf aufmerksam zu machen, dass viele Opfer der SED-Diktatur in prekären finanziellen Verhältnissen leben und von der Politik nicht vergessen werden dürfen.
Die aktive Erinnerungskultur war ein zentrales Thema für ihn, bei dem er im Laufe der Jahre verschiedene Projekte und Aufgaben mitverantwortete – darunter etwa seit 2008 als Mitglied der Initiativgruppe für die Errichtung eines Mahnmals für die Opfer des Kommunismus. Hoch zu schätzen ist sein intensives Engagement für Betroffenen der Deportationen 1945, die sich häufig in finanziellen Notlagen wiederfanden. Bei zahlreichen Gedenkveranstaltungen, beispielsweise in Sachsenhausen oder Cottbus, vertrat er die Anliegen der UOKG. An der Verbandszeitschrift „der Stacheldraht“ wirkte er durch Berichte und Publikationen aktiv mit. Wichtig war es ihm bei all diesen Tätigkeiten stets, historische Zusammenhänge so zu vermitteln, dass jüngere Generationen das geschehene Unrecht verstehen können.
Lieber Theo Mittrup, die intensive Verbandsarbeit fordert viel Kraft von uns allen. Für den nun begonnenen Lebensabschnitt wünschen wir Dir von ganzem Herzen gesundheitliche Stabilität und die nötige Ruhe, um neue Kraft zu schöpfen. Möge dieser neue Lebensabschnitt Dir viel Gelassenheit bringen.
Herzlichen Dank für die langjährige gute Zusammenarbeit – im Namen des UOKG-Teams, des Vorstands und des Bundesvorsitzenden Dieter Dombrowski!
Foto: UOKG, Lucas Hütter
02/07/2026
Die lauen Augustnächte in Berlin sind traditionell die Zeit des Open-Air-Kinos. Doch auf dem Gelände der ehemaligen Stasi-Zentrale in Lichtenberg, dem heutigen Campus für Demokratie, geht es um weit mehr als um bloße Unterhaltung. Wo einst der Überwachungsapparat der DDR tausende Lebensläufe dokumentierte und zerstörte, flimmern heute Geschichten von Widerstand, Verrat und Aufarbeitung über die Leinwand. Das diesjährige vom Bundesarchiv | Stasi-Unterlagen-Archiv veranstaltetete Campus-Kino bietet wieder eindringliche Einblicke in die deutsch-deutsche Vergangenheit – an einem historischen Ort, der wie kein zweiter für die Diktatur, aber auch für deren Überwindung steht.
Ein Termin im sommerlichen Kinokalender sticht dabei als besonders intensivheraus: Am Dienstag, den 4. August, steht der Film „Spione unter uns“ auf dem Programm. Der Dokumentarfilm von 2025 (Regie: Jamie Coughlin und Gabriel Silverman) beleuchtet ein Schicksal, das tiefer kaum erschüttern könnte. Er begleitet Peter Keup, einst gefeierter Turniertänzer in der DDR, dessen Lebensweg 1981 eine dramatische Wendung nimmt. Nach einem gescheiterten Fluchtversuch wird er verhaftet und kommt erst durch den Freikauf in die Bundesrepublik frei. Doch der eigentliche Schock folgt Jahre später: Keup entdeckt, dass sein eigener Bruder für die Stasi gearbeitet hat. Dieser Verrat lässt ihn nicht los. Als Historiker beginnt Keup seine Vergangenheit akribisch aufzuarbeiten. Auf der Suche nach Antworten stellt er sich auch ehemaligen Stasi-Offizieren – und konfrontiert sie in eindringlichen Gesprächen mit ihrer Verantwortung.
Es ist ein zutiefst persönlicher Film über Schuld, Erinnerung und den Mut, sich der eigenen Geschichte zu stellen. Was diesen Abend auf dem Campus für Demokratie jedoch außergewöhnlich macht, ist der Dialog, der den Film rahmt. Bereits im Vorgespräch stimmen Dieter Dombrowski und Evelyn Zupke, die Bundesbeauftragte für die Opfer der SED-Diktatur, das Publikum auf die sensible Thematik ein. Den emotionalen Höhepunkt dürfte allerdings das anschließende Filmgespräch bilden. Hier begegnen sich auf dem Podium Dr. Peter Keup als Zeitzeuge und Jochen Girke, ein ehemaliger Stasi-Offizier, moderieren wird Frau Prof. Dr. Daniela Münkel (Bundesarchiv | Stasi-Unterlagen-Archiv). Wenn sich der Protagonist und ein einstiger Repräsentant des Unterdrückungsapparats im direkten Dialog gegenüberstehen, wird Geschichte greifbar.
📅 4. August 2026 | 19:30 Uhr, Vorprogramm ab 17 Uhr
🗺️ Stasi-Zentrale. Campus für Demokratie, 10365 Berlin
ℹ️ Der Eintritt ist frei, eine Anmeldung nicht erforderlich. Da die Plätze begrenzt sind, empfiehlt sich frühes Erscheinen.
Das Campus-Kino läuft vom 3. bis 27. August 2026, es wird auch wieder ein Kinderfilmprogramm geben. Das Programm finden Sie hier [www.tinyurl.com/campuskino26].
Foto: Campus-Kino 2025, Lucas Hütter
27/06/2026
Dr. Peter Keup ist als Historiker wissenschaftlicher Mitarbeiter bei der UOKG und Zeitzeuge der deutschen Teilungsgeschichte. Nach einem gescheiterten Fluchtversuch aus der DDR wurde er inhaftiert und machte dabei eigene Erfahrungen mit den Repressionsmechanismen der SED-Diktatur und des Ministeriums für Staatssicherheit.
Im Zentrum seines Wirkens steht die Auseinandersetzung mit den Folgen politischer Verfolgung in der DDR. Peter Keup sucht bewusst den schwierigen Dialog mit ehemaligen Tätern, um zu zeigen, dass einfache Schwarz-Weiß-Zuschreibungen der historischen Realität nicht gerecht werden. Stattdessen plädiert er für eine klare Haltung, differenzierte Analyse und offene Kommunikation.
Bereits im preisgekrönten Dokumentarfilm „Spione unter uns“ gelang es ihm, als Hauptprotagonist einen seltenen Einblick in die inneren Abläufe des datengesteuerten Überwachungsstaates DDR zu werfen.
In seinem Buch untersucht Peter Keup nun weiter das komplexe Spannungsfeld zwischen Tätern und Opfern. Er legt die Mechanismen und Instrumente von Einflussnahme und Repression offen, beleuchtet unterschiedliche Formen der Kollaboration und leistet damit einen wichtigen Beitrag zur Aufarbeitung der SED-Diktatur sowie der Arbeitsweise des Ministeriums für Staatssicherheit.
„Ein bezwingend sachliches Buch über ein zutiefst verstörendes Thema – sachlich und notwendig, weil es darin um die Verantwortung in extremen Lagen geht, um die Langzeitfolgen von Kollaboration und um die offene Wunde „politische Haft“ im deutschen Gedächtnis.“ – Daniel Kehlmann
„Der Autor hat etwas sehr Bemerkenswertes geleistet: Als ehemaliger politischer Häftling untersucht er gleichermaßen selbstreflexiv, empathisch und wissenschaftlich distanziert eine Gruppe
im DDR-Repressionssystem, die sich eindeutigen Täter-Opfer Zuschreibungen entzieht. Er eröffnet damit neue Perspektiven auf das Phänomen der Systemkollaboration.“ – Prof. Dr. Peter Brandt
Das Buch ist im Demokratieverlag erschienen und kann über unser Bestellformular [www.uokg.de/publikationen/demokratieverlag] angefordert werden. Der Preis beträgt 29 €, die Versandkosten 3 €.
Peter Keup: „Wie aus Opfern Täter wurden. Die Transformation politischer Häftlinge zu Systemkollaborateuren im DDR-Strafvollzug“
340 Seiten, 1. Auflage 2026
Demokratieverlag UG Berlin
ISBN 978-3-910685-05-5
25/06/2026
Die „Anti-D Geschädigte Interessengemeinschaft“, vertreten durch Dorothy Bergmann und Margit Papke und Verbandsmitglied der UOKG, hat einen Brandbrief an die SED-Opferbeauftragte Evelyn Zupke und die Landesbeauftragten verfasst.
Darin wird die Eingliederung der Anti-D-Geschädigten in die Verordnung über schädigende Ereignisse (VwRehaGSchäV) zum aktuellen SED-Unrechtsbereinigungsgesetz gefordert.
Die neuen Rechtsverordnungen erleichtern einem begrenzten Opferkreis die Anerkennung gesundheitlicher Schäden durch kriterienbasierte Vermutungsregelungen (§ 21 StrRehaG, § 3 VwRehaG, § 4 HHG). Den Anti-D-Geschädigten bleibt diese verwaltungsrechtliche Rehabilitierung jedoch verwehrt, da bei ihnen das eigenständige Anti-D-Hilfegesetz (AntiDHG) greift.
Das AntiDHG berücksichtigt als Spezialgesetz ausschließlich den gesundheitlichen Schaden. Eine verwaltungs- und strafrechtliche Rehabilitierung bleibt völlig aus, obwohl die Verabreichung der mit Hepatitis C kontaminierten Seren (August 1978 bis März 1979 in der DDR) eine rechtsstaatswidrige Anordnung war.
Zudem weisen die Verfasserinnen darauf hin, dass das aktuelle AntiDHG in der Praxis teils rechtswidrig angewandt wird. Folgende Missstände werden massiv kritisiert:
• Fehlende Vermutungsregel: Betroffene tragen eine fortwährende, belastende Beweislast.
• Lebenslange Begutachtungen: Geschädigte müssen immer wieder zermürbende medizinische Prüfungen und Rechtsverfahren erdulden.
• Geringe Anerkennungsquote: Nur ein sehr geringer Teil erhält trotz nachgewiesener Gesundheitsschäden tatsächliche Entschädigungsleistungen.
• Bürokratische Hürden: Die Einstufung des Grades der Schädigung (GdS) sowie Kranken- und Heilbehandlungen werden oft nicht unbürokratisch und leistungskonform gewährt.
Um diese Ungleichbehandlung zu beenden, fordern die Betroffenen die sofortige Gleichstellung mit anderen SED-Opfergruppen, die offizielle Anerkennung als Opfer des SED-Unrechts sowie die uneingeschränkte Aufnahme in das SED-Unrechtsbereinigungsgesetz und die neue VwRehaGSchäV-Verordnung. Den Brief können Sie in voller Länge auf [www.uokg.de] einsehen.
Foto: Klaus Mehner: Institut in Berlin Buch (BStA Fotoarchiv 91_0111_GES_MedTest_25)
23/06/2026
Die neueste Ausgabe des UOKG-Newsletters ist erschienen. In unserer gedruckten, 16-seitigen Publikation, die wie gewohnt zwei Mal jährlich erscheint, informieren wir Sie fundiert über unsere politische Arbeit, aktuelle Forschung und berichten aus unseren Beratungsstellen. Folgende Schwerpunktthemen erwarten Sie in der aktuellen Ausgabe:
• Bund startet Gestaltungswettbewerb für Mahnmal für die Opfer der kommunistischen Diktatur
Die Errichtung eines zentralen Mahnmals in Berlin ist ein langjähriges Kernanliegen der UOKG. Wir beleuchten den nun offiziell gestarteten Wettbewerb, der eine entscheidende Phase für einen würdigen Erinnerungsort markiert, um das begangene Unrecht der SED-Diktatur dauerhaft, angemessen und sichtbar im nationalen Gedenken zu verankern.
• Ein (fast) vergessenes Kapitel der DDR-Geschichte: Die psychiatrische Kinderklinik Neufahrland
Die historische Aufarbeitung des DDR-Gesundheitswesens erfordert nach wie vor intensive wissenschaftliche Arbeit. Wir widmen uns den Zuständen in der psychiatrischen Kinderklinik Neufahrland. Die Erforschung der Schicksale der dort untergebrachten Minderjährigen rückt ein lange marginalisiertes Kapitel staatlicher Repression in die gesellschaftliche Öffentlichkeit.
• Veranstaltungen zur Wanderausstellung „Jugendstrafvollzug in der DDR“
Der repressive Umgang mit Jugendlichen im SED-Staat ist ein spezifisches Unrecht, über das die Wanderausstellung bundesweit aufklärt. In der aktuellen Ausgabe blicken wir auf die begleitenden Veranstaltungen der letzten Monate zurück und verdeutlichen die anhaltende Bedeutung der kontinuierlichen Vermittlungsarbeit anhand von persönlichen Zeitzeugenberichten.
Sie können sich den aktuellen Newsletter unter [www.uokg.de/newsletter] als PDF anzeigen lassen oder herunterladen. Die gedruckten Ausgaben liegen in unserer Bundesgeschäftsstelle in der Ruschestraße 103, 10365 Berlin für Sie zur Mitnahme aus. Wir wünschen Ihnen eine erkenntnisreiche Lektüre!
Foto: gemini
19/06/2026
Vor 73 Jahren, am 17. Juni 1953, erhoben sich in über 700 Orten der DDR Hunderttausende Menschen. Sie demonstrierten mutig gegen die SED-Diktatur, für bessere Lebensbedingungen, freie Wahlen und die Einheit Deutschlands. Der berechtigte Protest wurde von sowjetischem Militär und der DDR-Volkspolizei blutig niedergeschlagen. Mindestens 55 Menschen starben, rund 15.000 wurden inhaftiert, viele zu hohen Strafen oder Lagerhaft verurteilt. Um die Erinnerung an diesen historischen Freiheitskampf wachzuhalten, hat die UOKG auch in diesem Jahr an verschiedenen Gedenkfeiern teilgenommen.
Unser Bundesvorsitzender Dieter Dombrowski nahm am Nachmittag des 17. Juni 2026 an der öffentlichen Kranzniederlegung in der Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen teil. Im Rosenhof des ehemaligen Stasi-Gefängnisses legte er gemeinsam mit Gedenkstättendirektor Helge Heidemeyer und Gu Ruey-sheng, dem Leiter der Taipeh Vertretung in Berlin, Kränze nieder. Die vielen Opfer und Inhaftierten des Volksaufstandes dürfen und werden wir nicht vergessen.
Zudem vertrat Dieter Dombrowski unsere Vereinigung bei der zentralen Gedenkveranstaltung des Landes Brandenburg im Potsdamer Landtag. Im Plenarsaal mahnten Landtagspräsidentin Prof. Dr. Ulrike Liedtke, Ministerpräsident Dr. Dietmar Woidke und Aufarbeitungsbeauftragte Dr. Maria Nooke, dass Demokratie aktiv verteidigt werden muss. Umrahmt von einer szenischen Lesung historischer Zeitdokumente durch Schauspieler des Hans Otto Theaters und begleitet vom Saxophonisten Ralf Benschu wurde deutlich: Das Vermächtnis des 17. Juni ist ein lebendiger Auftrag für die Gegenwart.
An einem weiteren historischen Schauplatz vertrat Sandra Czech die UOKG. Am Platz des Volksaufstandes von 1953 an der Ecke Leipziger Straße/Wilhelmstraße in Berlin legte sie am dortigen Bodendenkmal, vor dem heutigen Bundesfinanzministerium, in unserem Namen einen Kranz nieder. Für uns als UOKG bleibt der 17. Juni 1953 ein Schlüsselereignis der Demokratiegeschichte. Der Mut der Demonstranten von damals verpflichtet uns noch heute, Diktaturen und Unrecht stets entschlossen entgegenzutreten.
Foto: Gedenkstunde vor dem Bodendenkmal an der Wilhelmstraße in Berlin. Team BAB www.aufarbeitung-berlin.de
Klicken Sie hier, um Ihren Gesponserten Eintrag zu erhalten.
Kategorie
Telefon
Webseite
Adresse
Ruschestraße 103
Berlin
10365