NSU Watch
05/04/2026
Wir gedenken: Vor 20 Jahren, am 4. April 2006, wurde Mehmet Kubaşık in seinem Kiosk in vom ermordet. Er wurde 39 Jahre alt.
Seine Familie kämpft bis heute um Aufklärung. Seine Frau Elif Kubaşık schreibt:
"Ich frage mich immer wieder, wie alle im Verfassungsschutz, der Polizei oder Staatsanwaltschaft, die mehr wissen als sie sagen, die nicht alles aufgeklärt haben, ruhig schlafen können. Ich kann bis heute nicht ruhig schlafen, weil es noch so viele offene Fragen gibt.
Es bleibt für mich die Frage nach Gerechtigkeit. Diese hat das Verfahren in München nicht für mich gebracht. Das Verfahren endete für mich im Chaos, unsere Fragen wurden nicht beantwortet, die N***s klatschten und ich habe vor dem Ende des Urteils den Saal verlassen. Es ist so viel bekannt geworden über das Netzwerk. Jeder hätte bestraft werden müssen, der zum NSU gehörte, ihm geholfen hat. Sie haben nur die wenigen vor Gericht gebracht. Aber selbst wer vor Gericht stand, wie Eminger, ist mit einer kleinen Strafe freigelassen worden.
Dann ist da die Frage des Gewissens. Ich frage mich immer wieder, wie alle im Verfassungsschutz, der Polizei oder Staatsanwaltschaft, die mehr wissen als sie sagen, die nicht alles aufgeklärt haben, ruhig schlafen können. Ich kann bis heute nicht ruhig schlafen, weil es noch so viele offene Fragen gibt.
Aber in der Gesellschaft hat sich etwas getan, das spüre ich. Wir werden viel eingeladen, die Leute sind neugierig, sie wollen etwas tun, Studierende, Schüler und Schülerinnen wollen von uns lernen, wollen solidarisch sein. Besonders wichtig ist für mich, dass gerade in Dortmund die Unterstützung für uns noch so stark ist. Die Erinnerung an Mehmet wird hier hochgehalten. Das zeigt, wie sehr Dortmund unser Zuhause ist."
10/03/2026
📻 Unsere neue -Folge ist da: Staatsgewalt, Rassismus und Misogynie in den USA. Ein Gespräch mit Cynthia Miller-Idriss.
Frauenhass, Rassismus und Gewalt gegen LGBTIQA+ sind Brückenideologien einer transnational vernetzten extremen Rechten.
Mit der US-amerikanischen Soziologin Prof. Cynthia Miller-Idriss, u.a. Direktorin des Polarization and Extremism Research and Innovation Lab (PERIL) an der American University (Washington DC) und Autorin zahlreicher Standardwerke zur extremen Rechten in den USA, haben wir Mitte Februar 2026 über die Verbindung zwischen White Supremacy, Misogynie und die Auswirkungen massiver und tödlicher staatlicher Gewalt gegen vulnerable Communities in den USA und die Ermutigung gesprochen, die durch solidarische Bündnisse auch für die Verteidigung der Demokratie in Deutschland entstehen kann.
Das Gespräch ist im Podcast im Original auf Englisch zu hören.
🎧 Hört den Podcast jetzt bei allen Podcatchern, bei Spotify oder hier: https://www.nsu-watch.info/podcast/nsu-watch-aufklaeren-einmischen-116-vor-ort-60-staatsgewalt-rassismus-und-misogynie-in-den-usa-ein-gespraech-mit-cynthia-miller-idriss/
23/02/2026
Heute gedenken wir Blanka Zmigrod.
Vor 34 Jahren, am 23. Februar 1992, wurde die Shoa-Überlebende auf dem Nachhauseweg im Frankfurter Westend an der Kreuzung Kettenhofweg/Niedenau von einem schwedischen Rechtsterroristen ermordet. Sie wurde 68 Jahre alt.
Zwischen August 1991 und Januar 1992 hatte der Täter bereits aus rassistischen Motiven auf elf Menschen mit Migrationsgeschichte geschossen. Der 34-jährige Student Jimmy Ranijba wurde bei einem der Anschläge ermordet. Aufgrund dieser Mordserie und Banküberfällen wurde er im Januar 1994 in Schweden zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt.
Blanka Zmigrods Mörder stand dabei auch im Fokus der deutschen Ermittlungsbehörden, eine Auslieferung erfolgte jedoch erst im Jahr 2016.
Nach der Selbstenttarnung des NSU im Jahr 2011 rückte der Mord erneut in den Fokus. Die Staatsanwaltschaft Frankfurt am Main erhob im Mai 2017 Anklage gegen ihn. Am 21. Februar 2018 wurde er zu einer lebenslangen Haftstrafe mit anschließender Sicherheitsverwahrung verurteilt. In der Urteilsbegründung war jedoch lediglich von Habgier und einem gestohlenen Casio-Taschencomputer durch den Täter die Rede, von Antisemitismus als Motiv nicht.
Lange erinnerte in Frankfurt nichts an den Mord an Blanka Zmigrod. Das änderte sich erst 2021 mit einer Petition, die sich für einen Ort der Erinnerung an sie eingesetzt hat. 2022 wurde eine Gedenktafel am Tatort eingeweiht. Darauf steht ein Zitat von Blanka Zmigrod:
"Meine Genugtuung für das, was die N***s mir angetan haben, ist zu überleben und so gut und so lange wie möglich zu leben."
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