Martin Rohla

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Photos from Martin Rohla's post 26/11/2025

Mein Vater ist im Winter 1956 - von Kommunisten verfolgt - aus Ungarn nach Österreich geflüchtet. Alleine und zu Fuß, bei Tiefschnee.

Im Jahr 1957 eröffnete die Familie Somloi, ebenfalls 1956 aus Budapest geflohen, ihr Restaurant „Ilona Stüberl“ in der Bräunerstrasse 2, mitten im Wiener Zentrum.

Wenn man eng zusammenrückte hatten 30 Gäste im Lokal Platz, im Schanigarten max. 20 weitere.

Mein Vater hat meinen Bruder und mich schon in den 1970-er immer wieder ins Ilona Stüberl mitgenommen, damit auch wir lernen, wie ungarische Küche zu schmecken hat.

Damals gab es noch eine schmale Stiege in den ersten Stock mit zwei weiteren kleinen Tischen.

Dort sassen wir immer mit Papi bei herrlichen Halaszle, Szegedyner Gulasch, Krautrouladen, Paprikahenderl, gelegten Kartoffeln und anderen köstlichen ungarischen Spezialitäten. Nach Belieben verfeinert mit „Erös Piszta“, einer scharfen ungarischen Paprikasauce. Es musste immer ein bissl brennen. Wenn wir in der Schule brav waren durften wir uns auch einen Zwiebelrostbraten bestellen.

Vor ca. 10 Jahren habe ich das „Ilona Stüberl“ wiederentdeckt. Ich hatte das Gefühl die Zeit sei fast 40 Jahre stehen geblieben. Der Gastraum war genau wie früher, die Chefin war Frau Maria, Tochter des Ehepaars Somloi. Sie konnte sich noch gut an Papi und mich erinnern.

Auch die Speisekarte und die Rezepte waren seit 1957 weitgehend unverändert. In Küche und Service gab es immer nur ungarisches Personal.

Vor zwei Jahren habe ich meinen 60. Geburtstag im „Ilona Stüberl“ gefeiert. Mit meinen 30 besten Freunden.

Das Lokal war immer voll - eine witzige Mischung aus Touristen, vielen Exilungarn und österreichischen Stammgästen. Ich war circa zweimal/Woche dort.

Gestern mittag zum letzten Mal. Mit meinem mich tröstenden besten Freund. Beim letzten Zwiebelrostbraten.

Am Sonntag, dem 30.11.2025, sperrt das „Ilona Stüberl“ seine Pforten. Für immer. Frau Maria hatte keine Nachfolger und die Hausinhabung, die Wiener Ärztekammer, will das Lokal zurück.

So gehen 68 Jahre „Ilona Stüberl“ zu Ende. Wahrscheinlich das einzige Lokal Wiens, das so lange sein Interieur und seine Speisekarte nicht verändert hat.

Eine weitere Zeitkapsel weniger. Ich bin sehr traurig.

15/11/2025

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