Orbis Ferrorum

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18/12/2025

Tür 18 ✨
Es ward Licht
Saubere und leistbare Energie ist eines der zentralen Ziele für Nachhaltige Entwicklung der Vereinten Nationen (https://unric.org/de/17ziele/). Wir als ArchäologInnen erforschen die lange Geschichte von Feuer und Licht. Vor 400.000 Jahren beherrschen wir bereits die Kunst Feuer zu machen (https://www.nature.com/articles/s41586-025-09855-6) und bereits im Paläolithikum brennen Fettlampen in der Höhle von Lascaux (https://archeologie.culture.gouv.fr/lascaux/de/die-beleuchtung). Leuchtspäne haben schon vor Jahrtausenden und bis vor kurzem Licht in Bergwerken vom nahen Osten bis in die Alpen gespendet. In den prähistorischen Kupfer- und Salzbergwerken der Alpen haben sich große Mengen dieser „Lichtspender“ erhalten. Um die bronzezeitlichen und auch die ältereisenzeitlichen Abbaue in Hallstatt ausreichend mit Licht zu versorgen, waren jeden Tag tausende exakt gespaltene, einen Meter lange Tannenspäne notwendig. Durch den immensen Bedarf an Spänen muss davon ausgegangen werden, dass eine Person „hauptberuflich“ nur für die Herstellung, das Trocknen und Verpacken derselben zuständig war. Auch das „Licht Machen“ war alles andere als einfach. Viele Versuchsreihen haben gezeigt, dass ein Bündel aus vier bis fünf Spänen bis zu einer halben Stunde Licht spenden kann. Damit das aber gelingt, muss das Spanbündel ständig gedreht und im richtigen Winkel gehalten werden. Gerade weil die Herstellung und auch die Handhabung der Leuchtspäne so aufwändig war, verwundert es, dass speziell im bronzezeitlichen Bergbau von Hallstatt sehr häufig nur halb abgebrannte Späne im Betriebsabfall liegen blieben. Fassen wir hier „Energieverschwendung“ vor 3000 Jahren, oder steckt etwas anderes dahinter? Die über 20.000-jährige Geschichte von künstlichem Licht zeigt, dass Licht bis vor wenigen Jahrzehnten nicht anonym war – nur wenn genug Leuchtspäne, Kerzen, Petroleum oder Gas vorhanden waren, war es auch hell. Wir zählen zu den Ersten, die nicht mehr über Licht nachdenken müssen, wir drücken einfach auf den Schalter. Deshalb ist es gerade heute sehr schwer, verantwortlich mit Energie umzugehen – Energie ist beinahe unsichtbar, scheinbar immer ausreichend vorhanden und absolut nicht mehr „greifbar“ und per Knopfdruck verfügbar. Die Auseinandersetzung mit Licht und Feuer vor Jahrtausenden und Jahrhunderten kann dazu beitragen, über unseren Umgang mit Energie heute zu reflektieren. Nach dem Motto: Wenn wir wissen, wie wir zu der Kreuzung gelangt sind, an der wir gerade stehen, können wir leichter entscheiden, wohin die weitere Reise gehen soll.
Hans Reschreiter (Archäologe, Mitglied von Orbis Ferrorum)

17/12/2025

Tür 17 ✨
Ein goldenes Schiff für den Nikolaus
„Wir gehen unter!“ riefen die Männer in ihrer Seenot auf dem Weg nach Konstantinopel laut der Sage. In ihrer Verzweiflung schrien sie um Hilfe, und ein Mann erschien, der ihnen half, das Schiff zu retten. Erst nachdem die Überlebenden notgedrungen in einen fremden Hafen eingelaufen waren, stellte sich heraus, dass der unbekannte Mann Nikolaus von Myra war. Das Schiff war zwar mit reichen Schätzen beladen, bestand jedoch nicht vollständig aus Gold. Dafür findet sich am Dürrnberg bei Hallein ein kleines Schiffchen mit zwei feinen Rudern aus Gold. Das nur 6,6 cm große Miniaturschiff weist sogar eine herausgetriebene Hohlkehle auf. Dieses fragile Objekt wurde im außergewöhnlich reichen Grab 44 vom Moserstein 1959 von W. Mittermayer und E. Penninger gefunden. Diese zweiphasige Doppelbestattung lässt sich einerseits spätestens in die Hallstattzeit datieren, das Schiffchen selbst mit seinem Bestatteten jedoch in die Frühlatènezeit. Das Boot wurde neben einem Schwert aufgefunden; auch Sanzenoschalen, Münsinger Fibeln und eine Bernsteinkette deuten auf die besondere Stellung des Verstorbenen hin. Das Miniaturschiff wird oft mit einem Einbaum verglichen und verschiedene Ansätze versuchen, das kleine Goldobjekt mit originalen Holzkonstruktionen in Verbindung zu setzen. Miniaturboote sind weltweit verbreitet und treten in unterschiedlichsten Materialien auf: Neben Gold wurden auch Bronze oder Ton verwendet. Unbestreitbar ist jedoch, dass das Material Gold dem Boot einen hochwertigen Charakter verleiht. Ob dabei bereits von einer sakralen Deutung oder einer Votivgabe gesprochen werden kann, lässt sich für das Objekt am Dürrnberg nicht eindeutig sagen. Vielmehr wird ein Zusammenhang mit dem Verstorbenen angenommen, dass das Miniaturschiff symbolisch seine Tätigkeit im Diesseits widerspiegelt und weniger ein rituelles Kultobjekt für die Reise ins Jenseits darstellt. Unzweifelhaft ist, dass das Schiff der Seemänner in Not besser nicht aus purem Gold gewesen wäre, da hätte selbst der Heilige Nikolaus die Schiffsfahrer nicht retten können...
Besuchen Sie uns doch in Hallein und staunen Sie über weitere außergewöhnliche Funde:
https://www.salzburgmuseum.at/haeuser/keltenmuseum/
Julia Haas (Keltenmuseum Hallein)
Foto (AR_1959_0213): © Keltenmuseum Hallein

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