Marmormuseum Adnet
10/02/2026
Spaltenfüllung im Plattenbruch
Aktualismus bezeichnet in der Geologie die Regel, dass geologische Vorgänge der Gegenwart auch in der Vergangenheit stattgefunden haben. Vulkanismus, Erdbeben, Tsunamis oder Meteoriteneinschläge beobachten wir heute ebenso wie in früheren Erdzeitaltern.
Wenn sich Kontinentalplatten bewegen oder der Untergrund instabil wird, entstehen Hangrutschungen und Felsstürze – nicht nur an Land, sondern auch unter Wasser. Trübeströme (Turbidite) rasen wie Lawinen Kontinentalhänge hinunter, formen untermeerische Canyons und beschädigen dabei etwa Unterseekabel oder Pipelines.
Öffnen sich Kontinentalplatten oder reißt der Untergrund durch Bewegungen eines darunterliegenden Salzstockes auf, entstehen Spalten. Hebungen, Absenkungen und Kippungen verursachen zusätzliche Fugen und Risse. Die Verfüllung dieser Spalten erfolgt meist von oben. Bereits 1903 fand der österreichische Geologe Franz Wähner in den bunten Spaltenfüllungen des hellen Riffkalks im Kirchenbruch (Sorte Urbano) Ammoniten aus der Jura-Zeit.
Solche Fossilien erlauben die Altersbestimmung der Spalten. Reißt der Meeresboden auf, „heilt“ die Natur diese Wunden durch Auffüllung mit neuem Material – selbst erdgeschichtliche Wunden schließen sich wieder.
Eine in der Jura-Zeit entstandene Spalte ist heute im östlichen Teil des Plattenbruches in der Schnittwand sichtbar. Hier wurde eine Spalte der roten Jura-Schichten erneut mit rotem Material aufgefüllt (siehe 1. Bild). Dieses besteht aus feinem Ton, Sand und zerbrochenen Seelilienstielgliedern – erkennbar im zweiten Bild.
Der griechische Philosoph Heraklit stellte bereits um 500 v. Chr. fest, dass alles im Fluss ist: „Panta rhei“ – alles verändert sich. Stillstand bedeutet Erstarrung. Auch die Erdgeschichte ist ein Zeugnis ständigen Wandels.
- Veränderung gehört zum Leben.
14/01/2026
Unterkiefer eines Kopffüßers
Die Ammoniten und Nautiliden der Trias- und Jurazeit hatten einen Kieferapparat, bestehend aus einem Unter- und Oberkiefer. Vom Aussehen her ähnelte der Unterkiefer einem Vogelschnabel. Solche Unterkiefer wurden als Rhyncholites beschrieben.
Später entwickelte sich dieser Kieferapparat weiter zu den Aptychen, die man meist paarweise und in Zusammenhang mit Ammoniten fand. So wurden sie anfänglich als Verschlussdeckel für ein Ammonitengehäuse gedeutet.
- Bild 1: Ein kleiner Unterkiefer aus dem großen Plattenbruch (Wimbergerbruch, Kieslinger XXVIII).
- Bild 2: Ein Modell eines Nautilus der französischen Spielzeugfirma Papo, ca. 8 cm lang.
13/08/2025
📍 Marmorweg in Adnet – Alles hat zwei Seiten
Beginnt man den Marmorweg beim Gemeindeamt, führt der Weg vorbei an Kirche und Pfarramt, danach geht der Weg links ab und führt hinein in den Wald unter der imposanten Felswand. 🏞️
Dort liegt ein scheinbar unscheinbarer Felsblock – doch wer genauer hinsieht, entdeckt Geschichte:
🪨 Ein Block aus Riffkalk (Sorte Urbano), durchzogen von grauen und rötlichen Spaltenfüllungen.
Diese Spalten erzählen von längst vergangenen Zeiten – sogar Ammoniten aus der Jurazeit wurden hier gefunden! 🐚
Auch andere Steinbrüche in Adnet zeigen diese faszinierenden Strukturen. Sie sind Zeugen geologischer Prozesse, die sich über Millionen Jahre erstrecken.
Franz Wähner, ein österreichischer Geologe und Paläontologe, hat in Adnet bereits 1903 in solchen Spaltenfüllungen Ammoniten aus der Jurazeit gefunden.
Auch im Kiefer Scheckbruch (Kieslinger XXIIa) gibt es solche Spalten. Dort führen sie quer durch das Scheckgestein. Das heißt, dass diese Spalten erst nach dem Abgleiten der Schecklagen entstanden sind. Das rote Füllmaterial ist in diesen Spalten jedoch nicht so stark verfestigt und verwittert leicht bröselig.
🔍 Wie die Römer schon sagten: „Audiatur et altera pars“ – auch die andere Seite soll gehört werden.
Denn selbst Steine haben zwei Seiten. Und manchmal erzählen sie mehr, als man auf den ersten Blick erkennt.
➡️ Komm vorbei, entdecke den Marmorweg und sieh selbst!
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