Lukas Ninck
15/02/2026
Das begehrteste Souvenir hier in Mailand kostet keinen Rappen.
Es ist ein Foto. Eines mit den fünf olympischen Ringen, einem über 100 Jahre alten Symbol. Dafür stehen die Menschen hier geduldig Schlange.
Ich auch, weil diese fünf ineinander verschlungenen Kreise für mich Paradox und grösste Faszination von Olympia gleichzeitig sind.
Sie symbolisieren die fünf Erdteile. Ihre Farben enthalten alle Töne, aus denen sämtliche Nationalflaggen der Welt gestaltet sind.
Sie stehen für packende Duelle auf dem Eis, der Piste oder der Loipe. Es geht um alles oder nichts.
Aber: Ohne einen starken Gegner ist die eigene Leistung wertlos.
Die olympischen Ringe zeigen Vielfalt in Spannung. Unterschiede in Verbindung. Gegeneinander antreten, aber doch untrennbar verbunden sein.
Genau diese Fähigkeit verlieren wir im Alltag immer öfter. Wir diskutieren nicht mehr hart in der Sache, sondern weichen aus. Wir suchen nicht mehr das Gegenüber, sondern die Bestätigung in der eigenen Bubble. Widerspruch wird sofort als Angriff gelesen, nicht als Einladung zum Denken.
Hoffentlich erinnern uns diese Spiele daran, dass Vielfalt kein Problem ist, das man lösen muss, sondern die Voraussetzung, dass Zusammenleben überhaupt gelingt.
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